08. Jul 2025
von Dr. Martin P. Grünholz
In diesem Jahr feiern wir das 1.700-jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa. Was es damit auf sich hat und über welche Basics des christlichen Glaubens damals gerungen wurde, zeigt Dr. Martin P. Grünholz (Dozent an der BTA Wiedenest) in einer vierteiligen Artikelserie. Am Ende jeden Artikels gibt es Fragen zur persönlichen Reflexion und Vertiefung - eine gute Möglichkeit, sich persönlich, in der Gemeinde oder Hauskreisen mit dem Glaubensbekenntnis von Nicäa zu befassen und über Grundlagen des Glaubens im Gespräch zu sein.
Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Reihe mit dem Rahmen des Konzils von Nicäa und der Bedeutung des Glaubensbekenntnisses für Lehre und praktischen Glauben beschäftigt haben, wollen wir uns nun mit dem wichtigsten Ergebnis des Konzils beschäftigen: dem Bekenntnis von Nicäa.
Die erste Fassung des Bekenntnisses wurde vor rund 1700 Jahren auf dem Konzil beschlossen. Allerdings wurde das Bekenntnis auf dem Zweiten Konzil im Jahr 381 n. Chr. sprachlich überarbeitet und insbesondere der Artikel zum Heiligen Geist deutlich ausgearbeitet. Da diese erweiterte Form übernommen wurde und sich allgemein durchgesetzt hat, werde ich nun auf diesen Text eingehen. Er wird als „Nicaeno-Constantinopolitanum“ (325/381) oder „Großes Glaubensbekenntnis“ bezeichnet.

Es hat, ebenso wie das uns geläufigere Apostolische Glaubensbekenntnis, drei Teile, sogenannte Artikel, und somit eine trinitarische Struktur. Der erste Artikel handelt von Gott dem Vater, der zweite von Gott dem Sohn und der dritte von Gott dem Heiligen Geist.
Im ersten Artikel heißt es: „Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.“
Was (hoffentlich) sofort auffällt, ist, dass das Bekenntnis mit „Wir glauben …“ beginnt. Es soll also als Gemeinschaft gesprochen werden, im Gottesdienst, im Hauskreis oder als Familie. Und zugleich ist jeder, der das Bekenntnis spricht – auch wenn er es äußerlich allein tut – Teil einer unsichtbaren Gemeinschaft, einer Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft. Dieser Glaube wird seit 1.700 Jahren mit Brüdern und Schwestern in der gesamten Welt und mit der glaubenden Kirche gemeinsam gebetet. Ein Christ ist niemals allein. Auch wenn Gemeinde und Gemeinschaft manchmal Probleme bereiten, gibt es keine Solo-Gotteskindschaft.
Das Bekenntnis hebt besonders die Allmacht Gottes hervor. Die Allmacht ist die einzige ausdrücklich genannte Eigenschaft Gottes. Es wäre problemlos möglich gewesen, anhand der Bibel weitere Eigenschaften Gottes zu ergänzen. Doch auf dem Konzil wurde sich ganz bewusst auf diese eine Eigenschaft beschränkt und sie in den Beziehungskontext des Vaters gestellt.
Als Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft haben wir den Allmächtigen zum Vater. Hierin liegt ein großer Schatz verborgen, je mehr man darüber nachdenkt, dass derjenige, der Himmel und Erde durch sein wirksames Wort aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, sich von uns mit „Vater“ oder „Papa“ ansprechen lässt (Hebr. 11,3). Er besitzt eine unendliche Machtfülle, Allwirksamkeit und Allgegenwart – und ist dennoch ganz nahbar, ansprechbar, vertraut und zugewandt.
Gerade deshalb kann ich, bei allen Fragen, Problemen und Anfechtungen, sei es aus der sichtbaren oder der unsichtbaren Welt (Eph 6,10-13) zu dieser Allmacht, zu diesem Vater – meinem Vater – fliehen und sagen: „Du bist mein Fels und meine Burg“ (Ps 71,3b; 2Sam 22,2).
Das Bekenntnis beginnt mit „Wir glauben…“ Eine Gemeinschaft spiegelt sich also in einer Bekenntnisgemeinschaft wider. Wo erlebst Du die Glaubensgemeinschaft am stärksten?
Welche konkreten Schritte könnten in Deiner Gemeinde oder Deinem Hauskreis unternommen werden, um gelebte Gemeinschaft zu stärken um das Gefühl der „Solo-Gotteskindschaft“ zu überwinden? Was könntest Du diese Woche konkret tun?
Welche Herausforderung und welcher Trost ergeben sich für Dich aus der Verbindung von Allmacht und Vaterschaft als das Wesen Gottes?
Gerade bei Anfechtungen wird in der Bibel häufig von der Gewissheit des Allmächtigen Vaters als Quelle der Stärke und Zuflucht im Alltag gesprochen. Kannst Du ein Beispiel teilen, wo du dies so erlebt hast?
Im August und September 2025 folgt jeweils ein vertiefender Artikel zu den Themen "Gott der Sohn" und "Gott der Heilige Geist".

Dr. Martin P. Grünholz
Dozent für Dogmatik, Ethik, Gemeindepraxis und Kirchengeschichte an der BTA Wiedenest