Wie der Himmel auf die Erde kam

11. Jan 2022

von Andreas Schmidt

Eine einzigartige Erfahrung

„Den schickt der Himmel!“ durchfuhr es den Bräutigam, als plötzlich der Weinvorrat wieder komplett aufgefüllt war. Genau hatte er nicht mitbekommen, was geschehen war, aber der älteste Sohn der Maria hatte ihn vor der größten Blamage seines Lebens bewahrt. Die Hochzeitsfeier wurde zu einem unvergesslichen Ereignis.[1]

„Den schickt der Himmel“, beteuerte der ehemals Blinde auf die kritische Frage der Pharisäer. Seit seiner Geburt hatte er in der Dunkelheit gelebt. Plötzlich konnte er zum ersten Mal die Schönheit der Schöpfung genießen, das Licht der Sonne, die Gesichter seiner Mitmenschen.[2]

„Dich schickt der Himmel! jubelten Maria und Martha. Vier Tage lag ihr Bruder schon im Grab. Doch auf den Befehl ihres geliebten Freundes und Meisters musste der Tod den Rückzug antreten.[3]

Von Gott gesandt – so definiert Jesus im Johannesevangelium selbst Seine Identität.[4] Mit den religiösen Führern diskutiert Er nur darüber, doch den aufnahmebereiten Zeitgenossen offenbart sich diese Wahrheit in den rettenden Zeichen, die Er demonstriert.[5] Sie erfahren am eigenen Leib die Zuwendung Gottes zu den Menschen und die Heilung der gefallenen Schöpfung.

Eine neue Qualität

Vieles davon erinnert an Mose, Elia und Elisa, die großen Propheten des Alten Bundes. Doch Johannes stellt von Anfang an klar, dass wir es hier mit einer neuen Qualität der Sendung zu tun haben: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.[6] – Gott schickt nicht nur einen Boten, Er selbst wird in Jesus Mensch und teilt unser Schicksal.

Und anders als bei Seinen Vorgängern bleibt die Sendung Jesu nicht bei der Behandlung der Symptome stehen. Sie geht dem Übel an die Wurzel. „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“, bezeugt Johannes der Täufer am Beginn des Evangeliums.[7]

Gott macht nicht nur ein Angebot. Er steht nicht einfach am Ufer des tosenden Meeres und wartet, bis sich die Ertrinkenden einen Rettungsring bei ihm abholen. Er springt selbst in die Fluten unter Einsatz Seines Lebens: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt geschickt, damit er die Welt richtet, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird.“[8]

Eine Kettenreaktion der Liebe

Ein Gott, der uns gleich wird. Ein Gott, der aus Liebe alles opfert und stellvertretend für uns stirbt – nichts hat die Welt so verändert, wie dieses Ereignis. Von Anfang an war das die Triebkraft der sich rasch ausbreitenden Gemeinde. Hervorstechend ist das Bemühen um Menschen am Rande der Gesellschaft, Sklaven, Kriminelle, Kranke.

„Die meisten unserer Brüder schonten sich nicht selbst, sondern nahmen sich furchtlos der Kranken an, pflegten sie sorgfältig und dienten ihnen in Christus. Manche starben gleich diesen unheilbar Kranken, sie steckten sich an, zogen sich die Krankheit der Mitmenschen zu, übernahmen freiwillig ihre Schmerzen.“[9] So charakterisiert Dionysos von Alexandrien im 3. Jahrhundert die Christen während der Pest-Epidemien.

Doch nicht nur im Sozialwesen, auch durch Bibelübersetzungen und Bildungsinitiativen, wirtschaftliche und technische Innovationen, Kampf gegen Ungerechtigkeit und für die Menschenwürde haben Christen im Laufe der Geschichte die Zeichen der Zuwendung Gottes aufleuchten lassen - im Kleinen wie im Großen. Immer begleitet von dem Angebot der Vergebung der Sünden und damit echter Befreiung und ewigem Leben.

Eine neue Melodie

„Friede euch! Wie der Vater mich gesandt hat, sende ich auch euch. ... Empfangt Heiligen Geist! Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie ihm behalten.“[10] Mit diesen Worten übergab der auferstandene Herr Jesus den Staffelstab an Seine Jünger.

So wie Er sich als „der Gesandte“ definierte, besteht auch die Identität Seiner Nachfolger in ihrer Sendung zu den Menschen.[11] Gemeinde ist deshalb mehr als ein „Archiv göttlicher Wahrheit“. Jesus hat mit Seinem Leben, Sterben und Auferstehen eine neue Melodie komponiert. Wir sind dazu berufen, sie in dieser Welt zum Klingen zu bringen. Möglich und wirkungsvoll wird das durch die Kraft des Heiligen Geistes.


[1] Joh 2,1-12

[2] Joh 9,1-12

[3] Joh 11,43-44

[4] Sechsmal bezeichnet sich Jesus im Johannesevangelium als der „von Gott Gesandte“. Zwölfmal spricht er von Gott, als dem „Sendenden“.

[5] Die sieben Zeichen finden sich in Joh 2,1-2; 4,43-54; 5,1-18; 6,1-15; 6,16-21; 9,1-12; 11,1-57.

[6] Joh 1,1.14

[7] Joh 1,29

[8] Joh 3,16-17

[9] Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte 7,22

[10] Joh 20,21-22

[11] Dietrich Bonhoeffer hat diese Erkenntnis in Blick auf die nachchristliche Zeit in dem prägnanten Satz zusammengefasst: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Und er fügt hinzu: „Nicht durch Begriffe, sondern durch ,Vorbild‘ bekommt ihr Wort Nachdruck und Kraft.“ (D. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, S. 560)

Andreas Schmidt




Andreas Schmidt

Mitarbeiter im ChristusForum Deutschland für Ausstellungen, Evangelisation

 

1Kommentar

  • !
    Friedemann Preubsch
    22.01.2022 19:31 Uhr

    Lieber Bruder Schmidt,
    es ist die beste und rettende Botschaft für uns Menschen, dass Gott seinen Sohn aus dem Himmelreich auf die Erde zu uns sandte. Das soll immer zum Ausdruck kommen. Auch im Text oben mit den [11] Quellenangaben.
    Gehe ich aber den Quellen nach, kommt die in Zitatschreibweise geschriebene Wortwendung dort gar nicht vor. Dem Anschein nach wurde durch die Wortwendung, "Dich schickt der Himmel", der Eindruck erweckt, an vielen Stellen der Bibel käme sie vor. In gleicher Schreibweise wird aber auch von Ihnen exakt zitiert „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“

    Darf ich darauf hinweisen, dass es sehr wichtig ist, Zitate exakt zu verwenden und darzustellen? Dadurch wurde Jahrhunderte (an die 2000 Jahre; aber auch schon vorher) dafür gesorgt, dass die Heilige Schrift nicht verfälscht werden konnte. Im Zeitalter der Uneindeutigkeit, der Unschärfe der Worte und Erkenntnisse und der Vermengung von Worten und Inhalten wird das Wort Gottes immer mehr Leuchtkraft behalten, wenn wir es eindeutig anwenden. Oft werden Texte, die gut klingen auch gern übernommen. Ein Kopierbefehl im Computer ist schnell erteilt. So wurde der Text in den Gemeindenachrichten meiner Gemeinde abgedruckt. Nicht überall herrscht so ausreichende Bibelkenntnis, das man die Unterscheidungsfähigkeit überall voraussetzen könnte.
    Das Themenmotto also mit tatsächlichen biblischen Menschen in Verbindung zu bringen mit den Bindesätzen: "durchfuhr es den Bräutigam" ;
    "beteuerte der ehemals Blinde auf die kritische Frage der Pharisäer." oder auch "jubelten Maria und Martha." verfälscht Berichtstatsachen und ist so keineswegs in Ordnung, sondert zeigt einen Umgang mit der Heiligen Schrift, der die tatsächliche Wahrheitsfindung gleichgültig vermissen lässt. Das ist für mich sehr ungewohnt. Daran möchte ich mich nicht gewöhnen, trotz dem das Motto „Den schickt der Himmel!“ ein gutes ist. Dieses aber mit einer Beliebigkeit in Verbindung mit Tatsachen der Bibel zu verknüpfen, können, so denke ich, viele Geschwister nicht mittragen. Ich auch nicht.
    Es gibt viele andere Möglichkeiten mit Respekt vor der Heilsgeschichte Gottes, die dennoch unsere heutigen Alltagssituationen oder -Themen aufgreifen, aber keine Tatsachen verbiegen. Dieses ernsthafte Bemühen erbitte ich auch von Ihnen.

    herzlich grüsst Friedemann Preubsch

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