1.700-jähriges Jubiläum: Konzil von Nicäa, Teil IV

08. Sep 2025

von Dr. Martin P. Grünholz

Konfliktfeld damals wie heute: Gott, der Heilige Geist

In diesem Jahr feiern wir das 1.700-jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa. Was es damit auf sich hat und über welche Basics des christlichen Glaubens damals gerungen wurde, zeigt Dr. Martin P. Grünholz (Dozent an der BTA Wiedenest) in einer vierteiligen Artikelserie. Am Ende jeden Artikels gibt es Fragen zur persönlichen Reflexion und Vertiefung - eine gute Möglichkeit, sich persönlich, in der Gemeinde oder Hauskreisen mit dem Glaubensbekenntnis von Nicäa zu befassen und über Grundlagen des Glaubens im Gespräch zu sein.

Die größte Veränderung zwischen dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 und dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 erfolgte beim dritten Artikel des großen Glaubensbekenntnisses. Während es 325 noch schlicht formuliert wurde: [Wir glauben…] „an den Heiligen Geist.“, wurde beim „Nicaeno-Constantinopolitanum“ (325/381) weiter ausgeführt, was damit gemeint ist: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.“

Konzil von Nicäa 4

Wie im zweiten Artikel über Gott den Sohn ausgeführt, drehte sich die Diskussion im vierten Jahrhundert um die Frage, ob Jesus vollständig Gott ist oder dem Vater untergeordnet. Damit eng verbunden war die Frage nach der Trinitätslehre, die sich zwar nicht direkt, aber indirekt aus dem biblischen Zeugnis ergibt (z. B. Mt 28,19; 2 Kor 13,13; 1 Petr 1,2 …). Deshalb wurde das Bekenntnis ebenso wie das Apostolische Glaubensbekenntnis trinitarisch mit drei Artikeln verfasst. 

Dieser dritte Artikel wurde in der Folge jedoch zum großen Konfliktfeld. Denn auf dem Konzil wurde festgehalten, dass der Geist „aus dem Vater“ hervorgeht, also seinen Ursprung – ebenso wie der Sohn – im Vater hat. Nachdem spätere Nachfolger des Arius jedoch die gesamte Trinitätslehre angriffen, wurde im Jahr 589 im spanischen Toledo ergänzt: „und dem Sohn hervorgeht“. Das Ziel war, den Arianern die Wesenseinheit von Vater und Sohn nochmals entgegenzuhalten. Mit dieser Ergänzung wurde dem Kirchenvater Augustinus gefolgt, der Vater und Sohn durch das „Band der Liebe“ (den Heiligen Geist) miteinander verbunden sah. 

Dadurch wurde das Glaubensbekenntnis jedoch nachträglich verändert. Im Jahr 809 untermauerte Karl der Große die Ergänzung noch einmal und Papst Benedikt VIII. ließ diese im Jahr 1013 lehramtlich festhalten. Dies führte im Jahr 1054 zur Abspaltung der orthodoxen Kirchen, dem sogenannten morgenländischen Schisma. Die Ostkirchen betonten, die wahren Rechtgläubigen (orthodox) zu sein, und wandten sich gegen den „römisch-westlichen“ Einschub. Aus ihrer theologischen Sicht wurde der Fokus zu stark auf die Gleichrangigkeit der göttlichen Personen gelegt, während die Ostkirchen die Eigenständigkeit der jeweiligen Person der Dreieinigkeit betonten. Sie betonen den Ursprung allein in Gott dem Vater. Der Sohn und der Heilige Geist sind dann vergleichbar mit seiner rechten und seiner linken Hand. 

Was sich wie eine theologische Haarspalterei anhört, entspringt in Wirklichkeit dem vertieften Nachdenken über das Wesen des dreieinigen Gottes. Damals wie heute ist die Rolle des Heiligen Geistes Anlass für Diskussionen, Zerwürfnisse bis hin zu Kirchen- und Gemeindespaltungen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Christen verstärkt biblisch-theologisch mit dem Wesen und dem Wirken des Heiligen Geistes beschäftigen, um Einseitigkeiten und übermäßige Betonungen von Phänomenen entgegenzuwirken. 

Einigkeit besteht jedoch darüber, dass der Heilige Geist „Herr ist und lebendig macht“. Er ist es, der weht, wo er will (Joh 3,8), der den Glauben schenkt, in die Freiheit der Nachfolge (2Kor 3,17) und zur Mission beruft (Apg 13,2). Er ist es, „der gesprochen hat durch die Propheten und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.“ Er ist untrennbar mit Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift verbunden, denn er hat die menschlichen Autoren angetrieben und inspiriert (2 Petr 1,21). Daher kann Paulus an Timotheus schreiben, dass alle Schrift von Gott eingegeben ist (2 Tim 3,16), wobei er das griechische Wort theopneustos verwendet, was so viel wie „Gott-geistlich“ bedeutet. In der Bibel haben wir also den verschriftlichten Heiligen Geist, Gottes inspiriertes Reden, das durch die Buchstaben hindurchwirkt. Der Heilige Geist steht somit nicht im Widerspruch zur Schrift, sondern ist in sie eingeflossen und bestätigt sie. 

Die wahre Kirche des lebendigen Gottes bekennt sich daher mit den 1 700 Jahre alten Worten des Bekenntnisses des ersten Konzils von Nizäa zur Dreieinigkeit, genau so, wie Gott sich selbst in der Heiligen Schrift und in der Folge in seinem Wirken in und durch die Kirche offenbart hat.

Fragen zur Reflexion und Vertiefung:

  • Rund um den Heiligen Geist wurde schon immer viel diskutiert. Hast Du Erfahrungen dazu? Wie können wir heute einen guten Umfang mit unterschiedlichen theologischen Ansichten beim Geist finden?
  • Der Heilige Geist „ist Herr und macht lebendig“, er hat „gesprochen durch die Propheten“ und die Autoren der Bibel inspiriert. Wie erlebst Du das Wirken des Heiligen Geistes in Deinem persönlichen Glaubensleben? 
  • Der Heilige Geist steht nicht im Widerspruch zur Schrift. Inwiefern ist diese Einheit von Geist und Schrift wichtig für Deinen Umfang mit der Bibel? 
  • Das Bekenntnis endet mit der Erwartung der „Auferstehung der Toten und dem Leben der kommenden Welt.“ Welche Rolle spielt diese zukünftige Hoffnung in Deinem Leben und wie motiviert sie Dich heute in Deinem Glauben und Handeln?
Martin P. Grünholz





Dr. Martin P. Grünholz

Dozent für Dogmatik, Ethik, Gemeindepraxis und Kirchengeschichte an der BTA Wiedenest 

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