1.700-jähriges Jubiläum: Konzil von Nicäa, Teil III

05. Aug 2025

von Dr. Martin P. Grünholz

„Handfeste“ Auseinandersetzung: Wer ist Jesus?

In diesem Jahr feiern wir das 1.700-jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa. Was es damit auf sich hat und über welche Basics des christlichen Glaubens damals gerungen wurde, zeigt Dr. Martin P. Grünholz (Dozent an der BTA Wiedenest) in einer vierteiligen Artikelserie. Am Ende jeden Artikels gibt es Fragen zur persönlichen Reflexion und Vertiefung - eine gute Möglichkeit, sich persönlich, in der Gemeinde oder Hauskreisen mit dem Glaubensbekenntnis von Nicäa zu befassen und über Grundlagen des Glaubens im Gespräch zu sein.

Vermutlich kennen die meisten Kinder den Nikolaus. Zwar wird er oft mit dem „Weihnachtsmann“ in einen Topf geworfen, aber zum 6. Dezember gibt es in unseren Supermärkten neben allerlei Kitsch-Nikoläusen auch immer wieder „echte“ Nikoläuse zu kaufen, nämlich solche mit Bischofsmütze und -stab. Der mit dem Fest geehrte Heilige – es handelt sich eigentlich um ein katholisches Fest, das Martin Luther missfiel, weshalb er Geschenke für Kinder an Weihnachten einführte, damit sich die Kinder auf das Christkind statt auf den Heiligen freuen – war Bischof von Myra, einer Stadt in Kleinasien in der Region des heutigen Antalya.

Bischof Nikolaus von Myra wurde aber nicht nur wegen zahlreicher Wunderlegenden, häufig im Zusammenhang mit der Fürsorge für Kinder, bekannt. 

Konzil von Nicäa 3

Er war wahrscheinlich auch einer der Teilnehmer des Konzils von Nicäa im Jahr 325. Einer Legende nach, die erstmals im 14. Jahrhundert bei Petrus de Natalibus schriftlich festgehalten wurde, davor jedoch nur mündlich überliefert wurde, hielt es ihn bei einer Debatte auf dem Konzil nicht länger auf seinem Sitz. Nachdem der Irrlehrer Arius von Alexandria behauptet hatte, Jesus sei nicht von ewiger Natur wie Gott der Vater und ihm somit untergeordnet, schloss er mit den Worten: „Es gab eine Zeit, da er [Jesus] noch nicht war.“

Danach hielt niemand mehr Bischof Nikolaus auf, der aufsprang und den Irrlehrer dermaßen heftig Ohrfeigte – quasi zum Knecht Ruprecht wurde – dass er festgenommen und den Rest des Konzils in polizeilichem Gewahrsam verbrachte. Nachdem mit dem Abschluss des Konzils Arius als Ketzer exkommuniziert und seine Irrlehre aufs Schärfste verurteilt wurde, erfolgte die Rehabilitation von Bischof Nikolaus. Diese Szene wurde auf zahlreichen Ikonen der orthodoxen Tradition abgebildet.

Im zweiten Artikel des Großen Glaubensbekenntnisses, dem „Nicaeno-Constantinopolitanum“ (325/381) wird wie folgt gebetet: [Wir glauben…] „Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.“

Es gäbe viele spannende Aspekte, die es hier hervorzuheben gilt, wie beispielsweise die explizite Hervorhebung des Stellvertretungstodes Jesu „für uns“ und „zu unserem Heil“ oder die Aussage, dass „seiner Herrschaft kein Ende sein wird“.

Im Zusammenhang mit dem Streit um Arius möchte ich jedoch auf Folgendes hinweisen: Auch heute gibt es christliche Gruppierungen und Sondergruppen, die den Anspruch Jesu, der Weg, die Wahrheit und das Leben zu sein und der einzige Weg zum Vater (Joh 14,6), schmälern wollen. Nicht nur die „Zeugen Jehovas“ lehnen die Gottheit Jesu ab. Auch in einer vermeintlich inklusiven Praxis wird lieber allgemein von „Gott“ statt von Jesus gesprochen. Dabei sagt Jesus: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ (Joh 3,36)

Daher hält das Bekenntnis unmissverständlich fest: Jesus Christus ist „aus dem Vater geboren vor aller Zeit“ und „gezeugt, nicht geschaffen“. Damit ist nicht gemeint, dass es auch eine Mutter sowie einen biologischen Akt gäbe, sondern es geht um die Ursprünglichkeit. Jesus kommt aus dem Vater – er hat seinen Ursprung in ihm, so wie ein Kind aus seinen Eltern kommt. Er ist weder künstlich erzeugt noch geschaffen worden (wie die Zeugen Jehovas lehren), sondern er ist „eines Wesens mit dem Vater“. Daher ist auch „alles durch ihn erschaffen“ (Joh 1,1f; Kol 1,15-18) und alles läuft auf ihn, den Anfang und das Ende, zu (Off 1,8).

Und daher bekennen wir seit 1.700 Jahren mit dem Bekenntnis das, was Jesus schon Philippus geantwortet hat: Wer ihn sieht, der sieht den Vater (Joh 14,9) denn der Vater und er, sind eins (Joh 10,30).

Fragen zur Reflexion und Vertiefung:

  • Auch wenn die Ohrfeige an Arius durch Bischof Nikolaus von Myra eine Legende ist und somit nicht zweifelsfrei historisch belegbar - welche tiefere Wahrheit soll dadurch vermittelt werden, die auch für uns vielleicht relevant ist?

  • Warum ist für den christlichen Glauben so entscheidend, die volle Gottheit Jesu zu bekennen und welche praktischen Auswirkungen hat diese Überzeugung auf dein persönliches Glaubensleben?

  • Wo begegnen Dir Tendenzen in Deinem Umfeld oder der Gesellschaft, Jesus lieber in den Hintergrund zu schieben, statt mutig zu bekennen? Wie kannst Du mutig das biblische Zeugnis aus Joh 14,6 überzeugend kommunizieren?

  • Welche Hoffnung ziehst Du aus der Aussage, dass die Herrschaft Jesu kein Ende hat?

Im September 2025 folgt der letzte Artikel dieser Serie zum Thema "Gott der Heilige Geist". 

Martin P. Grünholz





Dr. Martin P. Grünholz

Dozent für Dogmatik, Ethik, Gemeindepraxis und Kirchengeschichte an der BTA Wiedenest 

0Noch keine Kommentare

Dein Kommentar
Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Schriftarten, Karten, Videos oder Analysewerkzeuge, welche dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Datenschutzinformationen